Beurteilung von Zuchttieren
Die Tierbeurteilung bei den Fleischrindern hat die Aufgabe, die Merkmale Typ, Bemuskelung und Skelett entsprechend den von den Rasse- und Zuchtverbänden festgelegten Zuchtzielen der jeweiligen Rasse subjektiv einzuschätzen und diese durch die Vergabe der Noten von 1 bis 9 zu bewerten. Der Rahmen wird mit groß (g), mittel (m) und klein (k) beschrieben:
° Note 9: ausgezeichnet, optimal
° Note 8: sehr gut
° Note 7: gut
° Note 6: befriedigend
° Note 5: durchschnittlich
° Note 4: ausreichend
° Note 3: mangelhaft
° Note 2: schlecht
° Note 1: sehr schlecht
Das Ergebnis der Tierbeurteilung entscheidet neben anderen Kriterien über die weitere Nutzung zur Zucht oder über die Selektion eines Rindes.
So ist z.B. die Einstufung von männlichen oder weiblichen Tieren in die höchste Herdbuchklasse, neben bestimmten Leistungsanforderungen, mindestens an die Note 6 und 7 gebunden.
Die Bewertung der Kühe erfolgt nach der ersten und dritten Kalbung. Die Bullen werden im Rahmen der Verbandskörung ab einem Lebensalter von 11 Monaten beurteilt. Es sollten nur gesunde Tiere in der freien Bewegung und im Stand, am besten im Freien, begutachtet werden.
Günstig ist eine Bewertung von vorn nach hinten und von oben nach unten. Voraussetzung für die Tierbeurteilung ist die genaue Kenntnis des Körperbaus und Skeletts des Tieres.
Bewertung des Typs
Der Typ ist der äußere Gesamteindruck eines Tieres unter Berücksichtigung der rassetypischen Merkmale und des definierten Zuchtziels. Er steht für die Harmonie des Körperbaus, vom Kopf beginnend, für eine ansprechende Kapazität in Breite, Tiefe, Länge und für einen guten Rahmen. Die Körperform ist symmetrisch ausgeglichen. Die Farbe des Haarkleides, Pigmentierungen der Schleimhäute, Hornformen und der Hornstatus werden entsprechend der jeweiligen Rasse beurteilt. Die Rinder entsprechen dem jeweiligen Erscheinungsbild des Geschlechts. Die Bewertung erfolgt unter Beachtung der jeweiligen Nutzungsrichtung.
Unerwünscht sind bei diesem Merkmal feine, im Milchtyp stehende und schmale Tiere, Rinder mit zu geringer Wüchsigkeit und übermäßiger Bemuskelung (Pummeltyp), aber auch Tiere mit unharmonischem Körperbau.
Obwohl es keine eigenständige Euterbewertung bei Fleischrindern gibt, wird das Euter nicht ganz außer Acht gelassen. Es sollte fest angesetzt sein und ausreichend lange Striche haben. Große, tief hängende Euter mit dicken Zitzen, die bis unter das Sprunggelenk reichen, verhindern eine schnelle Milchaufnahme durch die Kälber nach der Geburt, und ohne Hilfestellung beim Saugen kann es unter Umständen zum Verlust des Kalbes kommen.
Je rassetypischer ein Rind ist, umso höher fällt die Benotung aus.
Bewertung der Bemuskelung
Bei der Bemuskelung wird der Fleischansatz an Vor-, Mittel- und Hinterhand betrachtet. Dabei steht eine gute Befleischung an Schulter, Rücken, Lende und Keule im Vordergrund. Die Muskeln setzen sich exakt ab und sind von fester Konsistenz ohne ein Zeichen von Schlaffheit. Die Tiere sollten nicht fett sein, da dies nur unnötig hohe Futterkosten verursacht und bei Kühen nach dem Kalben zu Fruchtbarkeitsstörungen führen kann. Bei fetten Bullen können Probleme im Deckverhalten und bei der Befruchtungsfähigkeit auftreten.
Die Beurteilung der Bemuskelung ist wichtig, um eine Aussage über das Fleischbildungsvermögen treffen zu können. Bemuskelung bedeutet Fleisch, und das wiederum bringt durch den Verkauf das Geld für die Mutterkuhhalter. Angestrebt werden eine plastisch geformte und tief nach unten gezogene Außenkeulenbemuskelung und eine gute Bemuskelung der Innenkeule. Je höher die Intensitätsstufe einer Rasse ist, umso höher ist auch der Fleischansatz zu bewerten. Bei der Bewertung der Bemuskelung ist auch zu beachten, ob eine Kuh tragend ist oder ein Kalb führt.
Tragende Kühe sind oft besser bemuskelt, da sie ihre Energie nicht für die Milchproduktion aufzuwenden brauchen.
Bewertung des Skeletts
Die Bewertung des Skeletts ist für die Lebensdauer und Marschtüchtigkeit bei Rindern von besonderer Bedeutung.
Ein geschlossener Knochenbau mit fest angesetzter Schulter, geradem Rücken in einer langen Mittelhand, ausreichender Tiefe und einem breiten, ausreichend langen, leicht geneigten Becken, gut gewölbter Rippe und einem kräftigen Fundament ist dafür die beste Voraussetzung.
Die korrekt gestellten Vordergliedmaßen sollen von vorn und seitlich betrachtet senkrecht verlaufen. Bei den geraden Hintergliedmaßen beträgt der optimale Sprunggelenkwinkel 145° bis 155°. Alle Gelenke sollten trocken und klar erkennbar sein. Stark x-beinige Vordergliedmaßen, Säbelbeinigkeit, Steilheit, schwammige Gelenke und bis zur Bärentatzigkeit neigende Hintergliedmaßen können zum Ausschluss von der Zucht führen.
Die Klauen sind gerade, fest und geschlossen (leicht gespreizte Klauen werden bei extensiven Rinderrassen toleriert) und sollen einen Winkel von 45° aufweisen, die Trachten müssen ausreichend hoch sein. Korrekte Hintergliedmaßen sind besonders bei Deckbullen von großer Wichtigkeit, da diese beim Springen durch das gesamte Körpergewicht extrem stark belastet werden und vorherrschende Mängel zum Ausfall eines Bullen führen können.
Ein breites Becken bei den weiblichen Tieren begünstigt den Geburtsablauf und trägt zum leichteren Kalben bei.
Quelle: Fleischrinder-Journal 3/2006